Millionenstadt an der Grenze zwischen Europa und Asien

Mitten in Russland und doch direkt an der geographischen Grenze zwischen Europa und Asien. Jelzins Heimat und der Ort, an dem die russische Zarenfamilie ermordet wurde. Jekaterinburg bietet dem Besucher zahlreiche Facetten. Die Stadtregierung will dies nutzen, um die Touristenströme in den Ural anzukurbeln.

Es sind gerade einmal 40 Kilometer die Jekaterinburg von der geographischen Trennlinie zwischen Europa und Asien trennen. Eine große Säule westlich der Millionenstadt markiert den Grenzverlauf zwischen den beiden Kontinenten. Die Stadtregierung hat längst die Werbewirksamkeit dieses Umstands erkannt. Jekaterinburg, die „Metropole zwischen Europa und Asien“ soll zu einem internationalen Kongresszentrum werden.

Erzabbau und Industriestadt

Dabei kommt Jekaterinburg auch seine reiche Geschichte zugute. Immerhin wurde die „Hauptstadt des Urals“ schon 1723 auf Befehl Peters des Großen gegründet. Der russische Zar wollte die reichen Erzvorkommen des Urals erschließen und ließ daher am Fluss Isset ein Hüttenwerk mit entsprechender Arbeitersiedlung aufbauen. Benannt wurde die Stadt nach der russischen Zarin Katharina I.

Blutkirche
(Foto: Ballin/.rufo)

Schnell blühte die Stadt, die zugleich auch ein Sprungbrett nach Sibirien war, auf. Noch heute künden die golden im Sonnenlicht glänzenden Kuppeln der zahlreichen Kirchen vom früheren Reichtum Jekaterinburgs. Bis heute ist die Gegend reich an Bodenschätzen – Eisen, Gold und sogar Platin sowie zahlreiche andere Erze werden abgebaut. Selbst Edelsteine und Halbedelsteine lagern unter der Erde.

Im 19. Jahrhundert erfuhr die Metallverarbeitung in Jekaterinburg einen weiteren Schub. Der Anschluss an die Transsibirische Eisenbahn machte die Stadt zu einem wichtigen Verkehrsknotenpunkt im Ural.

Mord an der Zarenfamilie

Zu trauriger Berühmtheit gelangte Jekaterinburg Anfang des 20. Jahrhunderts. In der Nacht vom 17. auf den 18. Juli 1918 wurde die gesamte Zarenfamilie von den Bolschewiki im Keller des Ipatjew-Hauses erschossen. Die sterblichen Überreste der Romanows wurden im Wald verscharrt. Heute erinnert eine Kathedrale in Jekaterinburg und ein Kloster in Ganina Jama an die Bluttat.

Während der kommunistischen Herrschaft wurde Jekaterinburg in Swerdlowsk (1924 – 1991) umbenannt – zu Ehren des Revolutionärs Jakow Swerdlow. Während des Zweiten Weltkriegs lieferten die Rüstungsbetriebe der Stadt einen entscheidenden Beitrag zum Sieg der Roten Armee.

Geburtsstadt Jelzins
JelzinMit der Stadt Swerdlowsk verbindet sich aber auch der Name des ersten russischen Präsidenten Boris Jelzin. 1931 wurde Jelzin in einem Dorf in der Nähe von Swerdlowsk geboren, in den 70er Jahren begann er hier seine Parteikarriere. Schnell wurde der als volksnah geltende Politiker auch außerhalb seiner Region bekannt.

Den Gipfel seiner Popularität erreichte er 1991 bei der Niederschlagung des August-Putsches. Später löste er Gorbatschow als Staatschef ab und die Sowjetunion auf. In den 90er Jahren stand er dann an der Spitze eines korruptions- und krisengeschüttelten Russlands, ehe er den Posten an seinen Nachfolger Wladimir Putin übergab. Heute erinnert das Jelzin-Zentrum in Jekaterinburg an die Tätigkeit des 2007 verstorbenen Politikers.

Kategorie: Stadtnachrichten, Aktualisiert am 22. Oktober 2009 von Redaktion | Anmelden